Autor: Marina Weisband

Die Kunst der Anderen – Outsider Art

Stellen Sie sich vor, sie schlendern als Tourist durch die Straßen von New York. Plötzlich spricht sie – wie es in New York leicht passieren kann – ein… Stellen Sie sich vor, sie schlendern als Tourist durch die Straßen von New York. Plötzlich spricht sie – wie es in New York leicht passieren kann – ein Fremder von der Seite an. Er ist schon älter, dunkelhäutig und sieht arm aus. „Hey, hey Sie!“, sagt er verschwörerisch und seine Stimme rutscht zu einem Flüstern herab: „Ich habe hier etwas.“ Er macht seinen fadenscheinigen Mantel ein Stück weit auf und holt einen kleinen Zettel heraus, den er auffaltet. Der Zettel sieht aus, als sei er schon oft aufgefaltet worden. So oft, dass seine Knickkante notdürftig mit Tesafilm geklebt worden ist. Auf dem Zettel befinden sich viele kleine, kryptische Symbole, mathematische Ausdrücke, Molekülketten. Es ist eine Formel. Mit dieser Formel kann man die Welt zerstören. Der Mann, Melvin „Milky“ Way ist sein Name, entwickelt viele solcher Formeln. Er besitzt damit die Macht, die Erde zu vernichten. Doch er tut es nicht. Er bewahrt sie. Melvin Way hat in seiner späten Jugend Schizophrenie entwickelt. Darüber hat er seine wissenschaftliche Ausbildung abbrechen müssen und wurde auf Dauer obdachlos. Früher hätte man solche Zettelchen, die er fabriziert hat, wohl weggeworfen. Doch das tut man nicht. Sie hängen in Museen und werden verkauft, und zwar zu...

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Aufmerksamkeitsspanne. Dreckmist.

Während unser Leben schneller wird, nimmt die allgemeine Aufmerksamkeitsspanne ab. Das ist politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich schlecht. Ausnahmsweise ist nicht nur das Internet Schuld und diese Warnung ist nicht konservativ. Auch während ich diesen Artikel hier tippe, habe ich nebenbei drei Tabs offen, auf die ich hin und wieder umschalte. Erstens lese ich Nachrichten, zweitens habe ich eine Seite mit lustigen Bildern und drittens chatte ich mit einem Kumpel. Vielleicht ist es die räumliche Nähe (alles auf demselben Bildschirm), die mir weis macht, es sei gar nicht so schlimm, mal umzuschalten. Aber Tatsache ist: ich kann eben nicht mehr anders. Für mich, wie für viele andere meiner Generation, ist Multitasking zum normalen Stil geworden. Ich bin ja normalerweise ein Mensch, der sehr über die Vorzüge und Chancen des Internets redet. Ich meine, wir haben hier mal eben eine Technik geschaffen, mit der wir den Raum überwunden haben. Zumindest kommunikativ. Ohne mich jetzt in die Einzelheiten zu vertiefen, hat das enormes Potential für unsere Gesellschaft. Aber wenn ich etwas lobpreise, muss ich auch objektiv auf die Gefahren schauen. Es gibt nun mal keine Lösungen, die nicht selbst neue Probleme generieren. Was ist also das Problem, das mit unglaublich schneller und flächendeckender Kommunikation und Information einher geht? Wir schalten sehr schnell um. Von Einem auf das Andere. Von Nachrichten auf Comics, von Freunden auf Kollegen, von Freizeit auf Arbeit und zurück....

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Das Erbe der Querdenker, oder: Wie eine Gruppe funktionieren kann.

Ich will hier einige sehr interessante Gespräche auf einen Punkt bringen, die ich mit verschiedenen, klugen Leuten auf dem Landesparteitag der Piraten NRW in Gelsenkirchen am gestrigen Tage geführt habe. Zunächst muss ich voranstellen, dass mir die Veranstaltung sehr gefallen hat, da ich meinte, eine Atmosphäre der Hoffnung und der Zukunftsgewandtheit vernommen zu haben. Natürlich gab es hier und da ein wenig altes, böses Blut; Spuren von vergangenem Streit. Allerdings sprachen sich alle gleich aus: Wir müssen die Strukturdebatte hinter uns lassen und uns neuen Themen zuwenden. Wir müssen uns inhaltlich politisch beschäftigen, wir müssen umsetzen, woran wir glauben und warum wir eigentlich alle hier sind. Ich denke, das wird auch funktionieren. Wenn ich ein Hindernis sehe, dann ist es eine Frage der Kultur, die in der ganzen Partei bundesweit in etwa ähnlich ist. Nämlich die Kultur des Mitdenkens. Das klingt furchtbar ironisch, dass ich das als Problem beschreibe, aber ich versuche es mal mit einer Analyse. In der Piratenpartei sind Menschen versammelt, die alte Formen der Politik ablehnen und nach Neuem suchen. Es sind generell natürlich gesellschaftlich unzufriedene Leute, größtenteils intelligente und fast immer auch frei denkende Leute. Das sind Leute, die ihre eigene Meinung bilden und sich nicht von einem Herdentrieb leiten lassen. Hier liegen unsere großen Stärken. Aber auch unsere größten Schwächen. Politik machen, heißt zum großen Teil Entscheidungen treffen. Wenn man eine Entscheidung trifft, nimmt...

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…denn wir segeln auf zwei Schiffen

Ich muss einmal wieder politisch werden. In letzter Zeit habe ich viele politikwissenschaftliche Artikel gelesen, einerseits, und viele interne Diskussionen in der Piratenpartei verfolgt andererseits. Dabei ist mir eine Sache aufgegangen, die ich für den Erfolg der Partei mitmal unumstößlich finde. Beginnen wir mal am Anfang. Warum will ich überhaupt, dass die Partei Erfolg hat? In einer Zeit, in der das generelle soziale Denken der Menschen eine Revolution erlebt – nicht nur, aber auch durch das Internet – scheint die Piratenpartei die einzige Partei zu sein, die bereits in ihren inneren Struktur den Kern dieser Veränderung angelegt hat. Alle Revolutionen, die zur Zeit in der arabischen Welt passieren, der Skandal um Wikileaks, um Stuttgart 21, ja bereits die Schaffung des „Web 2.0“ (ja, ich erwähne das noch)… das fügt sich alles in ein Bild: Information lässt sich nicht mehr verbergen, und plötzlich bekommt die Wahrheit wieder einen hohen und zentralen Stellenwert in der Gesellschaft. Ich muss nicht einmal bewerten, ob das gut oder schlecht ist. Es ist einfach so. Politik, die sich darauf konzentriert hat, ein gutes Bild zu vermitteln und die Massen zu kontrollieren, scheint zunehmend zu scheitern. In der Piratenpartei sind die Strukturen von Transparenz und Mitsprache tief verankert. Ich bin der Überzeugung, dass nur eine solche Partei Antworten auf die Fragen haben wird, die sich in Zukunft allen stellen werden. Mit einigen davon habe ich mich...

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Zeichensturm

Kunst passiert phasenweise. Sie hat ihre Ebbe und Flut. Ich kann nur dann zeichnen, wenn ich nicht nicht zeichnen kann. Nach vielen Monaten der Abstinenz hat es mich neulich wieder überflutet. Daraus ist eine Reihe von Bildern entstanden. Meine Mutter hat mich neulich überrascht. Wir befanden uns eben im Gespräch mit einer Künstlerin, die sich meine Bilder ansah. Sie fragte, warum ich nicht Unterricht nehme und das zu meinem Beruf mache. Meine Mutter sagte: „Sie hat keine Leidenschaft zum Zeichnen.“ Ich drehte mich überrascht um und protestierte: „Aber du weißt doch, dass ich es praktisch in jeder Minute tue, ja, mir geht es sogar schlecht, wenn ich nicht zeichnen kann!“ „Ja“, entgegnete meine weise Mutter: „Aber deine Leidenschaft gilt nicht dem Zeichnen, sondern dem Menschen. Die Zeichnung ist für dich nur ein weiteres Mittel, den Menschen zu verstehen. Wie die Psychologie, die Politik, das Theater und alles, was du machst.“ Das ist überzeugend. In diesem Sinne: Hier habt ihr  mehr Zeichnungen von Menschen. (Klicken damit groß) Freundinnen. Dieses Bild hat mich erst wieder zum Zeichnen gebracht. Es war eine Auftragsarbeit für meine Projektpartnerinnen. Die Herzogin. Mehr oder weniger eine Studie. Ich wollte wissen, wie lebendig ein Gesicht sein kann, wenn man es in ein Setting setzt, in dem das Gesicht in der Kunst klassischerweise hölzern dargestellt wird. Becca. Dieses und das unterstehende Bild beziehen sich auf einen Charakter, an...

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