Autor: Marina Weisband

Buchrezension: "Der Großinquisitor" – F. M. Dostojewski

Was soll ich in einigen Worten zu diesem Buch sagen. Ich habe es gestern beim Abendessen gelesen. Es ist nicht lang. Es ist nichtmal wirklich ein Buch, sondern ein Auszug aus Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow“. Aber zurecht hat man die Legende vom Großinquisitor als Einzelband veröffentlicht. Dieses Büchlein ist einer der tiefstschürfendsten, vernichtensten Kommentare zum Glauben an sich, den ich je gelesen habe. Der Inhalt ist der Folgende: Jesus kehrt auf die Erde zurück und geht durch das Sevilla des 16. Jahrhunderts und der Heiligen Inquisition. Obwohl er kein Wort sagt, wird er von allen erkannt. Der Großinquisitor lässt ihn verhaften und bestellt ihn zum Verhör. Dort erklärt er ihm, dass er kein Recht habe, auf die Erde zurück zu kommen und die Ordnung, welche die Kirche in über tausend Jahren errichtet habe, zu stören. Er erklärt Jesus Christus – einleuchtend – warum er die Menschen eigentlich nicht liebt, warum er zu viel von ihnen erwartet. Warum die Kirche die Menschen wirklich liebt. Dabei bezieht er sich auf Jesu Zeit in der Wüste, als ihn der Teufel 40 Tage lang versuchte. (Matthäus 4). Jesus lehnte die Versuchungen ab, und damit, wie Iwan Karamasow im Roman behauptet, die drei Mittel, um die Menschen für sich zu begeistern und zu führen: Das Wunder, das Geheimnis und die Autorität. Er erwartet von den Menschen, dass sie ihm auch ohne dies folgen,...

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Hallo Welt

Dies ist der übliche Anfangspost. An diesem Punkt will ich was metaanalytisches zum Blog an sich sagen. Jeder fängt einen an, kaum einer führt ihn über das dritte Posting hinaus und noch weniger davon haben tatsächlich was zu sagen. Ich habe auch nichts zu sagen. Das heißt, nichts in dem Stil, wie ein Autor es zu sagen hat, wenn die Idee in seinem Kopf gereift ist und er sich an ein Buch setzt und es schreibt. Ich habe mehr auf diese Weise was zu sagen, wen die Idee noch nicht gereift ist, sondern fragmentiert, bruchstückhaft vorliegt, sich aber für so genial hält, dass sie schon in diesem embryonalen Status ausgesprochen werden möchte. Ein Blog ist hier die ideale Plattform. Ich habe nicht vor, mich einem bestimmten Thema zu widmen. Ich habe einfach vor, meine Gedanken und Erfahrungen hier niederzuschreiben, die Art und Weise, wie ich die Welt sehe. Außerdem will ich hier einige meiner Bilder und Comics veröffentlichen, bevor sie groß auf meine Seite gehen. Es folgen auch Buchrezessionen (ich lese viel russische Klassik, wenn ihr also lesefaul seid und trotzdem mit eurem Wissen über Tolstoi und Dostojewski hier angeben wollt…) Einige Worte zu mir. Ich bin Marina Weisband, 19, geboren in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine und dort aufgewachsen. Vor etwa 10 Jahren kam ich als Kontingentflüchtling nach Deutschland. Nach einer ziemlich dummen Pubertät und Schulzeit studiere ich jetzt...

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