Autor: Marina Weisband

Zeit zu kämpfen

Anfang 2016 droht die Stimmung in Deutschland angesichts der „Flüchtlingskrise“ zu kippen – nach rechts. Marina Weisband macht sich Gedanken dazu, was man dagegen tun kann.

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Setzen wir die falschen Prioritäten?

Wir sind als Generation enttäuscht, weil unsere Eltern uns damals, aus ihrem Wohlstand heraus, gesagt haben, wir können alles werden, was wir wollen. Es stimmt aber. Wir können alles werden, was wir wollen. Technisch gesehen haben sie nie behauptet, wir könnten Geld damit verdienen. Warum sind wir zufrieden damit, auf einem völlig übersättigten Arbeitsmarkt unbezahlte Praktika zu absolvieren, um irgendwann die Chance zu bekommen, einen prekären Job zu machen, der keine Familie mehr ernähren kann? Warum schweigen wir dazu, dass wir im Alter vermutlich kaum Rente bekommen werden, aber wir gehen auf die Straße, weil ein paar tausend Leute aus Kriegsgebieten zu uns kommen? Als gäbe es da einen Zusammenhang. Ich will Menschen, die mit mir wütend auf die Straße gehen. Aber gegen Fehlinvestitionen. Gegen völlig aussichtslose Rentenreformen. Gegen eine Bildungspolitik, die an den Bedürfnissen der Zukunft vorbei geht. Nicht gegen Geflüchtete! Warum schaffen wir es als Bevölkerung eines Landes nicht, die wirklich wichtigen Probleme zu sehen, die katastrophal sind? Und empören uns über Dinge, die morgen irrelevant sind? Wir verpixeln unsere Häuser bei Google, nehmen aber unkontrollierte Geheimdienste als Tatsache hin. Wir meckern über Rundfunkgebühren, finden uns aber damit ab, dass Arbeitskraft immer weiter ausgebeutet wird. Wir regen uns über Lokführerstreiks auf, weil unser Zug etwas später kommt, und ignorieren den Streik ob der Perspektivlosigkeit so ziemlich aller Pflegeberufe. Und wir gruseln uns vor der Alphabet Holding, anstatt...

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Nach Snowden. Nach Jauch. Die neue Debatte.

Es ist ein Gefühl diffuser Unzufriedenheit, das die Diskussion im Studio bei Günter Jauch zum ersten Fernsehinterview von Edward Snowden bei mir hinterlassen hat. Ich fand das Gespräch angenehm, doch hatte das absolute Gefühl, auf der Stelle zu treten. Ich möchte hier einen Finger darauf legen, warum eine Debatte um Geheimdienste, die Zukunft des Internets und der Gesellschaft stagniert und konstruktive Vorschläge darüber machen, wohin wir sie entwickeln könnten. Ich werde mir den Platz nehmen, den ich in einer Talkshow nicht habe. Vielleicht liegt dies an dem Stil, in dem die deutsche Talkshow funktioniert. Sie setzt auf Konfrontation und kombiniert darum Gäste, die sich möglichst nicht auf die Farbe von Gurken einigen können. Das garantiert einen Schlagabtausch und damit immerhin eine gewisse Mindesunterhaltung. Ist aber keine gute Grundlage, um eine Debatte zielgerichtet von einem Punkt vorwärts zu bewegen. Im aktuellen Beispiel vertrat Ex-US-Botschafter Kornblum mit Journalisten Reichelt die Ansicht, dass Snowdens Enthüllungen hauptsächlich Schaden anrichten – vor allem für die transatlantischen Beziehungen. Ströbele, Seipel und ich bildeten Team Edward, das vor allem darum bemüht war, wie man den Whistleblower gut schützen und seine Enthüllungen sinnvoll nutzen könne. Beide Diskussionen wären für sich durchaus spannend gewesen, wären sie nur getrennt von einander geführt worden, anstatt sie gladiatorenartig gegen einander zu schmeißen. Die Talkshow ist hier aber nur ein Symbol des deutschen Diskurses, der oft so polar aufgebaut ist. Sie hat...

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