Ich wurde von der Didacta zur Bildungsbotschafterin 2025 gekürt. Aufgrund des Tolerierens der AfD als Hauptaussteller auf der Messe lehne ich diesen Preis ab. Dies ist (in etwa) meine Rede.
Kaum eine Nachricht hat mich so sehr gefreut, wie hier als Bildungsbotschafterin ausgezeichnet zu werden. Ich arbeite seit über einem Jahrzehnt mit großer Leidenschaft für Demokratiebildung und werde dem auch den Rest meines Lebens widmen. Umso mehr enttäuscht mich, dass diese Auszeichnung überschattet wird davon, dass sie sich nun wie ein Deckmantel der Normalität anfühlt für einen ungeheuerlichen Vorgang.
Die Didacta hat sich unfreiwillig zum Brennglas für die Frage gemacht, ob demokratiefeindliche Akteure einen Platz haben auf einer Fachmesse mit dem Motto Demokratiebildung. Und ich kann nicht anders, als hier fest auf einer Seite zu stehen: Nein, haben sie nicht.
Ich kämpfe für eine Schulkultur der Selbstwirksamkeit. Für Inklusion, Vielfalt, Neugier, den Glauben an jedes einzelne Kind, an jeden einzelnen Menschen. Die AfD kämpft gegen Gesamtschulen, gegen Inklusion, gegen Lehrkräfte, die nicht auf Linie sind. Sie spricht Menschen je nach Geburt verschiedenen Anspruch auf Würde zu. Sie stellt Menschen vor existenzielle Fragen. Gehen oder bleiben? Sind wir hier noch willkommen? Schüler mit Migrationshintergrund. Mich! Und das müssen wir NICHT aushalten. Diese Partei will nämlich keine demokratische Debatte über diese Fragen. Sie will den Debattierclub anzünden.
Weil ich mich seit Jahren mit Demokratiebildung beschäftige, kann ich hier eine Erkenntnis teilen: Demokratie stirbt nicht plötzlich. Vielmehr werden ihre Feinde Schritt für Schritt normalisiert, bis ihr Ende wie der nächste kleine Schritt in einer logischen Kette erscheint. Heute kann ich hier nicht stehen und bei dieser Normalisierung mitspielen.
Es ist meine demokratische, meine verfassungsmäßige Pflicht, dagegen aufzubegehren. Darum lehne ich diesen Preis ab. Mit großem Bedauern. Das mir wichtig als Signal an alle, die planen, diese Partei als normale Partei zu behandeln. Denn überall, wo sie ist, bindet die AfD die Debatte auf die Schattenseiten unserer Gesellschaft, nimmt den Scheinwerfer weg von Menschen, die so hart für Demokratie arbeiten. Doch wir werden uns die Arbeit nicht verbauen lassen. Mit der gleichen Energie, wie wir Rechtsradikalismus ablehnen, arbeiten wir weiter an innovativen Bildungsformen, tauschen uns aus und lernen von einander.
Dieser Preis war dotiert mit 3000€. Damit ermöglichen wir einer ganzen Schule den Start mit aula, um echte Mitbestimmung in den Schulalltag zu bringen. Geld, dass wir als Gemeinnützige Organisation eigentlich gut gebrauchen können. Deshalb und auch im Namen des aula-Teams, kann ich an dieser Stelle nur dafür aufrufen, für uns zu spenden, wenn Sie an unsere Arbeit glauben.
Ich kann mir keine größere Anerkennung meiner Arbeit vorstellen, als selbstbewusste, mündige Kinder ohne Angst vor der Zukunft. Egal, wo sie her kommen. Für sie gehe ich diesen Schritt.
Mit aller Dankbarkeit für die Auszeichnung. Ich hoffe, sie kann nächstes Jahr ohne einen solchen Schatten verliehen werden.

Die Demokratie ist keine einfache Geliebte. Sie sagt, wenn du dich nicht erhebst, nicht für mich einstehst, dann verlasse ich dich.
Damit Demokratien überleben können müssen sie stark und wehrhaft sein. Das werden sie durch die Menschen, die in ihnen leben.
Dabei geht es nicht um einen Ort, an dem man geboren wird. Es geht um Werte, Menschenrechte und Menschenwerte, deren Wert
sich tief in die Seele eingebrannt haben. Die man in seinem Land verwirklicht sehen will. Für die man streitet und notfalls auch leidet,
aber die man nicht bereit ist, aufzugeben. Weil dann das Leben Wert los würde.
Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Entscheidung, den Preis nicht anzunehmen. Damit setzen Sie ein klares Zeichen gegen die AfD und ihre Unterstützer. Viel Erfolg weiterhin in Ihrer Arbeit mit aula.
Ich habe heute Ihr Gespräch mit Markus Feldenkirchen verfolgt und bin sehr beeindruckt von Ihrer Person, Ihrem starken Willen und Ihrer Klugheit. Viel Gesundheit und Kraft wünsche ich Ihnen und dass Sie immer wieder mutig Position in der Öffentlichkeit beziehen. Ukraine wünsche ich Frieden.
Renate Göckler-Timoschenko
(Meine Schwiegereltern stammten aus Bolgrad/Ukraine.)
P.S. In den Medien wird mit Bezug auf Ukraine immer der Artikel “die” verwendet, was eigentlich nicht korrekt ist. Wenn von Deutschland, Polen, Frankreich usw. gesprochen/über sie geschrieben wird, benutzt man auch keinen Artikel. Das würde so klingen: “Ich bin in das (dem?) Deutschland”. “Der Mann fährt in das Polen.” (??)
Hingegen sind folgende Sätze in den Medien vorgekommen: “Ich bin in der Ukraine.” “Der Mann fährt in die Ukraine.” Das klingt so, als sei die Ukraine eine Provinz/ein Gebiet, kein souveränes Land. Wie kann das geändert werden? Auch Politiker und Journalisten sprechen/schreiben so.
Die Dankbarkeit dafür dass jemand exakt meine Gedanken und Gefühlsposition dermaßen intelligent in Worte fassen kann, kann ich nicht formulieren, ohne dass es an Wert einbüßen oder schnulzig klingen würde. Sehr geehrte Frau Weißband, wir – meine Familie und ich – hoffen viel und oft weiterhin von Ihnen zu hören! Mit allerbesten Wünschen, C. Weigelt aus MV
Ein sehr logischer, trotzdem mutiger Schritt mit einer guten Begründung. Leider greift das Normalisieren der Demokratiefeinde immer weiter um sich
Fight for the right! ICH VERNEIGE MICH VOR DIR ! ???
Sehr geehrte Frau Weisband,
ich habe Ihnen zu der gestrigen Sendung von Maybritt Illner (an der Sie teilgenommen haben) auf „Bluesky“ einen Kommentar geschrieben, der leider nicht gesendet werden konnte (aus welchen Gründen auch immer). Kurz zusammengefasst hier nochmal: Ich fand Sie und Ihre Beiträge sehr strukturiert und punktgenau; Sie haben die wesentlichen Dinge benannt (im Gegensatz zu Jens Spahn) und auf die ungute und zerstörerische Rolle der Milliardäre hingewiesen. Was ich vermisst habe: wenn diese Gruppe so schlimm ist, warum haben Sie – neben dem Verweis auf die Reform der Schuldenbremse und die vielen nötigen Investitionen – nicht gesagt, dass es endlich eine gerechte Beteiligung der Milliardäre an diesen Gemeinschaftsaufgaben des Staates geben muss ? Also eine progressive Vermögenssteuer, Erhöhung des Spitzensteuersatzes und der Erbschaftssteuer? Es scheint in allen Talkshows ein Tabu zu sein, das zu fordern. Vielleicht, weil die Moderatoren dieser Veranstaltubgen selber derart unverschämt viel verdienen (Maybritt Illner ca. 480 000 Euro im Jahr, Markus Lanz sogar 2 000 000 Euro im Jahr)? Gibt es vor einer solchen Talkshow Absprachen? Ihre Meinung dazu würde mich interessieren!
Herzlichen Gruß!
Dr, Gunzelmann
Wir bewundern seit längerem Ihre Auftritte in den unterschiedlichen TV-Talking-Shows – die Standhaftigkeit und Vehemenz Ihrer zweifellos stets nachvollziehbaren Argumentation.
Wir besinnen uns auf Ihre Auftritte zu Beginn vor etwa 3 Jahre – abwartend und dem Leid der Ukrainerinnen und Ukrainer nebst Kinder geschuldet.
Heute lassen Ihre Argumente keinen Zweifel daran, dass Sie über das Auslassen, die von vielen Staatstragenden an den Haaren herbeigezogenen zurückgehaltenen / ausgelassenen Chancen enttäuscht sind.
DANKE DASS DU BIST
Respekt!
Ich bin dankbar für dein starkes DemokratieEngagement und diese Konsequenz! Zeigt sie doch das ehrliche Bestreben für ein friedvolles Miteinander und die Aussicht auf Wertschätzung eines jeden Erdenbürgers.
Ich bin Sprachlehrerin und arbeite im Deutschkurs für Migranten. Also weiß ich deine Reaktion bereits aus der täglichen Arbeit heraus sehr zu schätzen. Erst solche drastischen Entscheidungen für das Leben und gegen die Angst holen die schlafenden Mitmenschen aus ihrer Opferrolle, in die sie sich manchmal wehrlos begeben. Also ich unterstütze deine Projekte und Haltung und werde auch etwas spenden. Viel Erfolg weiterhin und Frieden der Welt!
Morgengruß von Yvonne
Bravo. (Ich habe die Rede auf YouTube gesehen. Wo kann ich spenden?(
??
Danke. Für gute und richtige Worte. Für Haltung und Standhaftigkeit.
Liebe Marina Weisband,
Ihre Haltung, Ihr Rückrat und Ihr Handeln gibt allen Mut, die sich für Demokratie und gegen Rechtsradikalismus und -populismus einsetzen. Vielen Dank dafür und Ihnen alles Gute
Ihr
Heinz Gabler
Danke für diese klare Stellungnahme! Mein Berufsleben habe ich in der Schule verbracht, einen großen Teil im Ringen um Inklusion und Eigenständigkeit (ich war Förderschullehrerin) in einer oft sehr verkrusteten Schulorganisation. Sie machen mir nun, wo ich mich als Ruheständlerin nur noch beobachtend beteilige, großen Mut – für die nächsten Generationen.
Vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
Sie sind nicht allein. Wir sind viele. Wir sind mehr.
Die Entscheidung war richtig – Ihnen gebührt dafür viel Respekt.
Dank und Respekt für die Standhaftigkeit und das Engagement für die Demokratie!
Es braucht jeden Einzelnen von uns um sie zu retten.